Erfahrungsberichte von CENIT-Volontären
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Bericht von S. Klosterkemper
Wie ich zum CENIT gekommen bin? Ich hatte das Glück, zwei der engagierten Mitarbeiter von ViaNiños und einen Austauschstudenten aus Quito zu kennen. Im Frühjahr dieses Jahres habe ich dann eine Auszeit von meinem Studium genommen und bin für zweieinhalb Monate mit ViaNiños nach Ecuador gegangen.
Das CENIT ist sicherlich eines der größten Projekte dieser Art in Quito und hat einen Kindergarten, eine Schule, Angleichungsunterricht, mehrere Werkstätte und vieles mehr. Während meines Aufenthaltes waren über 30 Volontäre im CENIT tätig. Leider bleiben viele davon nur sehr kurz (4-8 Wochen) und haben schlechte Spanischkenntnisse.
Das CENIT arbeitet auch mit den Eltern der Kinder, und bringt Ihnen beispielsweise Lesen und Schreiben bei. Ich habe selbst mal im Unterricht dabei sein dürfen und weiß wie dankbar und lernbegierig die Mütter waren. Die Arbeit als Lehrer/in kann großen Spaß machen und ist reich an Erfahrungen. Ich glaube jeder, der die Organisation erst einmal kennen gelernt hat und sich in der Sprache sicherer fühlt, engagiert sich gern für eine der anspruchsvolleren und verantwortungsvolleren Aufgaben im CENIT.
Natürlich haben alle Beteiligten mehr davon, wenn der Aufenthalt nicht bloß ein kurzer Besuch ist. Hierin möchte ich alle bestärken, die ihren Aufenthalt in Ecuador zu einer wertvollen Erfahrung machen möchten.
S. Klosterkemper
Bericht von M. Fuß
Dank InWent (ehemals Carl-Duisburg-Gesellschaft), die meinen Einsatz bei CENIT im Rahmen des "Konkreten Friedensdienstes" finanziell unterstützt hat, war es mir möglich, im März 2004 für 3 Monate nach Ecuador zu reisen.
In Quito angekommen habe ich mich erstmal 4 Wochen lang dem Spanischlernen gewidmet, hatte aber über meine Mitbewohnerin schon Kontakt zu CENIT. In der fünften Woche habe ich dann bei CENIT angefangen. Nach einer kurzen Einführung in die verschiedenen Projekte habe ich mich schnell entschieden, auf der Strasse mitzuarbeiten.
So bin ich also 2 Monate lang jeden Morgen los, habe mit den anderen Freiwilligen meiner Gruppe unsere Kids bei den Marktständen ihrer Eltern abgeholt, die Plane ausgebreitet, unsere Spielsachen ausgepackt und versucht, die Kinder für ein paar Stunden aus ihrem harten Alltag zu befreien und ein bisschen Sonne in ihr Leben zu bringen.
Die Kinder auf den Märkten sind ca. 1-13 Jahre alt und viele von ihnen gehen nicht zur Schule, da ihre Familien auf das Geld angewiesen sind, was ihre Kinder durch Betteln, das Verkaufen von Süßigkeiten oder Schuhe putzen verdienen. Der Bildungsstand der meisten Kinder ist demnach gleich null. Wir als Freiwillige haben es uns daher zum Ziel gemacht, den Kindern zumindest die grundlegenden Dinge zu vermitteln, die sie bei einem möglichen Eintritt in die Schule können müssen. Eines der Ziele CENITs ist es nämlich, die Eltern von der Wichtigkeit einer Schulausbildung zu überzeugen und sie sozusagen in die Schule zu locken. CENIT selber führt eine Schule, in der die Kinder für wenig Geld eine grundlegende Schulausbildung erhalten können. So haben wir also versucht, den Kids die Wochentage, Monate, die Farben, die Zahlen, die Vokale usw. beizubringen. Diese Kenntnisse werden vor Eintritt in die Schule abgefragt.
Am Anfang konnten wir uns kaum vorstellen, dass ein 13jähriges Kind nicht zählen kann oder die Farben nicht kennt, aber wir haben uns schnell an die traurige Wirklichkeit gewöhnt. Die Kinder lernen von klein auf zu klauen und zu betteln und niemand bringt ihnen diese grundlegenden Dinge bei. Stattdessen werden sie täglich mit Armut und Gewalt konfrontiert. Am Anfang war es sehr schwer mit der Aggression der Kids zurechtzukommen. Aber diese Kinder wachsen oft in Familien auf, in denen Gewalt zur Tagesordnung gehört. Die Väter bzw. Ehemänner haben keinerlei Hemmungen ihre Kinder und Frauen zu verprügeln. Die Kinder bekommen kaum Zuneigung und daher ist es eine weitere wichtige Aufgabe der Freiwilligen, den Kindern zu zeigen, dass sie etwas Besonderes sind und es verdient haben, dass man sie gut behandelt. Bei teilweise 50 Kindern und 5 Freiwilligen auf einem Markt ist es allerdings manchmal nicht so einfach, jedem Kind die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken. Daher haben wir oft versucht, die Kinder in Altersgruppen aufzuteilen, doch auch das hat sich als nicht gerade eine der leichtesten Übungen erwiesen, da sich Geschwisterkinder nur sehr schwer trennen lassen. Und Geschwisterkinder gibt es auf den Märkten reichlich, da die meisten Familien ca. 5-6 Kinder haben. Die Idee mit den Lerngruppen ist daher bis zum Ende meines zweimonatigen Einsatzes eine Traumvorstellung geblieben. Ein weiteres Problem, warum sich viele gute Ideen der Freiwilligen leider nicht umsetzen lassen, ist der ständige Wechsel von Freiwilligen auf den Märkten. Viele bleiben nur für eine kurze Zeit und leider ist es auch so, dass einige nicht die nötige Motivation und auch nicht die nötigen Sprachkenntnisse mitbringen, um sinnvoll mit den Kindern zu arbeiten.
Trotz gelegentlicher Frustration haben mir die Kinder jedoch jeden Tag wieder mit ihren leuchtenden Augen gezeigt, wie wichtig wir als Freiwillige von CENIT in ihrem Leben sind. Für mich war es eine unvergessliche und einmalige Erfahrung mit diesen Kids zu arbeiten. Wer also gerne mit Kindern arbeitet und bereit ist, in eine völlig fremde Kultur einzutauchen, sollte sich schnell mit ViaNinos in Verbindung setzen und sich auf nach Ecuador machen. Ihr werdet es nicht bereuen!
Sowohl in Ecuador als auch nachher bei meiner Reise durch Mexiko und Guatemala habe ich viel über das Leben in Lateinamerika gelernt und durch meine Arbeit viele Freundschaften sowohl mit Einheimischen als auch mit anderen Freiwilligen aus aller Welt geschlossen. Ich werde ganz sicher eines Tages nach Ecuador zurückkehren.
M. Fuß




